Was sind SAP S/4HANA Lines of Business (SAP LoB)?

Was sind Lines ob Business (SAP LoB) in SAP S/4HANA, und wie unterscheiden sie sich von den Modulen früherer SAP-ERP-Lösungen? Dieser Artikel beleuchtet die neue Begrifflichkeit.

Mit der Einführung von SAP S/4HANA haben sich auch grundlegende Begrifflichkeiten geändert.

Während frühere SAP-ERP-Software in Module gegliedert war, ist das beim aktuellen SAP S/4HANA System nicht mehr der Fall. Heute ist die Rede von Lines ob Business (SAP LoB).

Anders als in früheren SAP-ERP-Lösungen betrifft die Terminologie und Gliederung aber nicht mehr nur das ERP Kernsystem.

Dieser Artikel beleuchtet die SAP S/4HANA Lines of Business (LoB), vergleicht sie mit dem früheren Begriff der SAP ERP Module und bringt Trennschärfe in das Thema.

Was sind die SAP S/4HANA Lines of Business (SAP LoB)?

SAP Lines of Business (kurz SAP S/4HANA LoB oder SAP LoB) sind die Strukturelemente in SAP S/4HANA. Übersetzen lässt sich „Line of Business“ am besten mit „Geschäftsbereich“. Diese Übersetzung beschreibt auch sehr gut, um was es sich bei einer Line of Business handelt: Jede SAP LoB umfasst Geschäftsprozesse und Funktionen für einen bestimmten Geschäftsbereich eines Unternehmens. Eine SAP LoB ist also eine logische Struktureinheit bzw. Gruppierung von S/4HANA. Doch SAP beschränkt sich bei der Verwendung der LoB-Begrifflichkeiten nicht auf die SAP S/4HANA-Software.

Im SAP ECC-System war ein Modul ein funktionaler Baustein. Mit SAP S/4HANA hat SAP nun das gesamte Produktportfolio in Lines of Business organisiert. Entsprechend sind alle SAP Produkte einer oder mehreren LoB zugeordnet. Dies betrifft sowohl die Funktionen, die im SAP S/4HANA Grundsystem vorhanden sind, als auch zukaufbare Lizenzen. Aber auch Cloud Services oder eigenständige Systeme, wie SAP Ariba oder SAP CX sind in LoB gegliedert. Somit sind die Lines of Business Strukturelemente, die nicht nur SAP S/4HANA, sondern das gesamte Produktportfolio der SAP zu gliedern.

Wichtig zu wissen: In SAP ERP und ECC wurden die Strukturelemente als Module bezeichnet. Der Begriff hält sich zwar hartnäckig, gehört in SAP S/4HANA jedoch nicht mehr zum offiziellen Sprachgebrauch des Software-Herstellers.


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Welche Lines of Business gibt es in SAP S/4HANA, und was beinhalten diese?

Seit der Veröffentlichung von SAP S/4HANA wurden der Software kontinuierlich neue Lines of Business hinzugefügt. Heute (Stand 2024) umfasst das System in der On-Premises-Variante folgende LoB:

  • Asset Management
  • Finance
  • Human Resources
  • Manufacturing
  • R&D and Engineering
  • Sales
  • Services
  • Sourcing and Procurement
  • Supply Chain

Nachfolgenden werden diese SAP S/4HANA-Geschäftsbereiche näher beschrieben.

Asset Management

Die LoB Asset Management befasst sich mit der Instandhaltung von Assets (dem Anlagevermögen) eines Unternehmens. Zu diesen Assets zählen neben Maschinen, Geräten und Werkzeugen auch Gebäude und Grundstücke. Im Asset Management sind Funktionen für Instandhaltung und Wartung von Produktionsanlagen (Plant Maintenance).

Die Funktionen dieser LoB wurden in früheren SAP-ERP-Lösungen mit dem Modul Plant Maintencance (PM) abgedeckt.

Finance

Finance war die erste Line of Business in SAP S4/HANA und ist zugleich einer der umfangreichsten Geschäftsbereiche. Die LoB bietet Funktionen rund um alle finanziellen Aspekte in einem Unternehmen. Dies umfasst die Finanzbuchhaltung (inklusive Hauptbuch = General Ledger), die Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung, das Controlling, die Profitabilitätsanalyse, Finanzplanung und -analysen, Treasury, Risikomanagement, Konsolidierung und Abschlüsse.

Das Finanzwesen wurde in früheren SAP-ERP-Lösungen über die Module Financial Accounting (FI), Controlling (CO) und Treasury (TR) abgedeckt.

Human Resources

Die SAP LoB Human Resources stellt alle notwendigen Prozesse und Funktionen für das Personalwesen bereit. Hierzu zählen unter anderem die Personalverwaltung, die Lohn- und Gehaltsabrechnung (Payroll), das Zeit- und Anwesenheitsmanagement sowie Self-Service-Zugriffsmöglichkeiten auf HR-Daten für Mitarbeiter. Im SAP S/4HANA Kernsystem sind diese Funktionen nicht enthalten.

Die Personalverwaltung wurde in früheren SAP-ERP-Lösungen über das Modul SAP Human Capital Management (HCM) abgedeckt.

Manufacturing

Diese SAP S/4HANA Line of Business bündelt alle wichtigen Anwendungen und Szenarien rund um die Fertigung. Zentrale Funktionen sind dabei die Produktionsplanung und -steuerung (PPS), die Durchführung der Produktion (Manufacturing Execution) und das Qualitätsmanagement.

Funktionen für die Produktion wurden in früheren SAP-ERP-Lösungen durch die Module Product Planning (PP) und Quality Management (QM) bereitgestellt.

R&D and Engineering

Der Geschäftsbereich R&D and Engineering liefert Unternehmen alle relevanten Features rund um das Product Lifecycle Management, also die Verwaltung des Produktlebenszyklus. Dazu gehören Funktionen für die Definition von Produktstrukturen und Stücklisten, Revisionen, die Kalkulation, das Projekt- und Portfoliomanagement und das Investitionsmanagement. Weiterhin unterstützt diese Line of Business dabei, produktbezogene Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften einzuhalten.

Funktionen für das Projektmanagement wurden in früheren SAP-ERP-Lösungen durch das Modul Project System (PS) bereitgestellt.

Sales

Die SAP LoB Sales vereint alle wichtigen Funktionen für Vertrieb. Unterstützt werden klassische Aufgaben wie Kalkulation, Angebote, Aufträge und Rechnungsstellung.

CRM, Kundenservice und Commerce sind hingegen keine Bestandteile dieses SAP Geschäftsbereichs. Wer diese Sektoren abdecken möchte, benötigt zusätzlich SAP C/4HANA (ehemals SAP Hybris). Es handelt sich dabei um die CRM-Suite von SAP, welche Lösungen aus den Bereichen Customer Experience (CX), Marketing, Customer-Relationship-Management (CRM) und E-Commerce bündelt. SAP C/4HANA ist tief mit der Sales-LoB in S/4HANA integriert und fügt sich somit problemlos in die Systemlandschaft ein.

Funktionen im Bereich Sales wurden in früheren SAP-ERP-Lösungen durch das Modul Sales & Distribution (SD) bereitgestellt.

Service

Diese LoB zielt darauf ab, Kundenprobleme in kurzer Zeit zu lösen und einen hochgradig personalisierten Service bereitzustellen, um die Kundenzufriedenheit zu steigern. Wichtige Funktionen sind das Serviceauftragsmanagement, das Interaction-Center (Kundenkommunikation über mehrere Kanäle) sowie die Verwaltung von Serviceleistungen inklusive Dokumentation und Abrechnung.

Funktionen dieses Geschäftsbereich waren in früheren SAP-ERP-Lösungen im Modul Sales & Distribution (SD) beheimatet.

Sourcing and Procurement

Sourcing and Procurement unterstützt die Geschäftsprozesse in den Bereichen Beschaffung und Einkauf. Die Funktionen der ehemaligen Module MM (Material Management) und SRM (Supplier Relationship Management) wurden in diese SAP LoB übernommen und erweitert. Einkaufs- und Beschaffungsprozesse lassen sich mit dem Baustein End-to-End abbilden. Alle Abläufe sind dabei eng mit den angrenzenden LoBs Supply Chain, Manufacturing und Finance verzahnt. Zu den wichtigsten Funktionen dieser LoB gehören das Lieferanten- und Warengruppenmanagement, das Bestellwesen, das Vertragsmanagement, Ausgabenanalysen und die Verwaltung von Lieferantenrechnungen.

In früheren SAP-ERP-Lösungen wurden diese Funktionen über das Modul Material Management (MM) bereitgestellt.

Supply Chain

Diese SAP S/4HANA Line of Business nutzen Unternehmen, um ihre Lieferkette zu gestalten, zu überwachen und zu optimieren. Besonders relevant ist die LoB daher für die Branchen Industrie und Handel. Ziel ist eine Optimierung aller Aktivitäten entlang der gesamten Supply Chain – von den Lieferanten über die Produktion bis hin zum Endkunden. Dabei fliessen kontinuierlich wichtige Informationen wie Absatzprognosen, Produktionsplanung und Bedarfsplanung ein.

Das Modul Warehouse Management (WM) hat SAP-ERP-Lösungen die Funktionen für die Lieferkette bereit gestellt.

Wie unterscheiden sich die LoB in SAP S/4HANA von den Modulen in SAP ERP?

In früheren SAP-Versionen wurden die Funktionsbereiche als Module bezeichnet. Mit der Einführung von SAP S/4HANA hat sich dies geändert. Der Software-Konzern gliedert seither seine ERP-Software nicht mehr in Modulen, sondern hat mit der Einführung von SAP S/4HANA das gesamte Produktportfolio in Lines of Business (Geschäftsbereichen) gegliedert. Am grundlegenden Ansatz, Anwendungen, Funktionen und Prozesse in betriebswirtschaftlich sinnvolle Bereiche zu gliedern, ändert sich dadurch wenig.

Die Funktionen der klassischen Module aus SAP ECC existieren zum grossen Teil immer noch. In S/4HANA finden sie sich nun an verschiedenen Stellen wieder. Die nachfolgende Übersicht gibt Aufschluss darüber, wie die Kernmodule neu zugeordnet wurden:

Bisheriges Modul in SAP ERP

Neue Line of Business in S/4HANA

Sales & Distribution (SD)

Sales, Service

Material Management (MM)

Sourcing and Procurement, Supply Chain

Product Planning (PP)

Manufacturing

Quality Management (QM)

Manufacturing

Plant Maintencance (PM)

Asset Management

Financial Accounting (FI)

Finance

Controlling (CO)

Finance

Treasury (TR)

Finance

Project System (PS)

R&D and Engineering

Warehouse Management (WM)

Supply Chain

SAP Human Capital Management (HCM)

Human Resources


Was ändert sich mit der Aufteilung in LoB statt Module?

Für Anwender ändert sich durch den neuen Aufbau relativ wenig. Technisch betrachtet ist die Veränderung von Modulen hin zu Lines of Business jedoch keineswegs trivial. Denn SAP S/4HANA hat in diesem Kontext eine völlig neue Lösungsarchitektur erhalten. Im Gegensatz zu der klassischen Modul-Gliederung orientiert sich diese nun deutlich stärker an Geschäftsprozessen in Unternehmen. Teils wurden Funktionsbereiche, die vorher innerhalb eines Moduls vereint waren, auf mehrere LoB aufgeteilt. Unter anderem betrifft das den Einkauf und die Bestandsführung, ehemals im MM-Modul vereint. In SAP S/4HANA ist der Einkauf heute in der LoB Sourcing and Procurement beheimatet, während die Bestandsführung in den Geschäftsbereich Supply Chain gewandert ist.

Darüber hinaus gibt es Module, die im Kern von SAP ECC gar nicht existierten und nur im erweiterten Funktionsbereich der SAP Business Suite verfügbar waren. Ein Beispiel hierfür ist SAP EWM (Extended Warehouse Management). Dieses findet sich in SAP S/4HANA in der LoB „Supply Chain“. Gleiches gilt für PLM (das „Product Lifecycle Management“), welches in die LoB „R&D and Engineering“ übergegangen ist.

Durch die Implementierung von SAP S/4HANA erhalten Unternehmen also ein ERP-System, das deutlich prozessorientierter aufgebaut ist als seine Vorgänger SAP ECC und SAP R3. Dies unterstreicht den Ansatz von SAP, mit SAP S/4HANA Prozesse zunehmend End-to-End abzubilden, zu digitalisieren, zu optimieren und zu automatisieren.

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Meinolf Schäfer, Senior Director Sales & Marketing

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